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Der Karenzpapa ist Geschichte – zurückblicken und dankbar sein

Kennst du das, wenn ein bestimmter Tag noch ewig weit weg ist? In einer fernen Zukunft? Mir ging das so mit dem 23.11.2017. Dieser Tag war mein allerletzter Tag als Karenzpapa. Er war immer ewig weit weg und plötzlich doch da. Doch was geschah bis dahin und wie geht es weiter?

Papa ist zu Hause – als Karenzpapa

Endlich war er da, der 16. Februar. Mein erster Tag als Karenzpapa begann gleich mit einer ersten Challenge. Mami hatte einen Termin und ich war zum ersten Mal für länger als ein paar Minuten mit unserem Sohn allein zu Hause. Mittlerweile sind längere Männer-Ausflüge in die Stadt schon völlig normal. Doch damals war das noch Nervenkitzel pur.

In so vielen Sachen war ich noch so komplett unbeholfen. Wenn er auf mir eingeschlafen ist, traute ich mich nur selten, ihn selber abzulegen. Ihn beim Tragen auch nur kurz nicht mit zwei Händen festhalten? Gott (oder wer auch immer) bewahre! Matz tragen und schnell auf den Lichtschalter drücken – Anspannung bei einer Bombenentschärfung nix dagegen. Und dann sollte ich da allein bleiben mit ihm. „Natürlich, alles easy“. So wollte ich wirken. Geschafft habe ich es ziemlich sicher nicht, wie du dir vermutlich vorstellen kannst. Doch es hat problemlos geklappt. Ich habe mich sogar getraut ihn allein in die Trage zu geben! Unfassbar! Mittlerweile völlig normal, damals ein großes Experiment.

Karenzpapa mit Sohn
Der erste Tag als Karenzpapa

Der nächste große Schritt – ab nach Linz

Viel Wasser ist seitdem die Donau hinuntergeflossen. Wir sind jedoch stromaufwärts übersiedelt. In der neuen Wohnung in Linz wurde sowieso alles anders. Die Straßenbahn fast vor der Tür, mehr als zwei (miese) Lieferanten in der Lieferservice-App und auch sonst jede Menge Neues und Aufregendes zu sehen. Das Auto steht teilweise zwei Wochen still und wird nicht mehr für jeden kleinen Weg zum Einkaufen etc. benötigt. Vom wesentlich größeren Markt für meine eigene Firma ganz zu schweigen. Das war im März aber noch weniger Thema.

Zuerst musste ich ja mal meine Marketing-Prüfung absolvieren. Daher ging es Ende April mit dem Lernen los. Das war eine tolle erste Annäherung an meinen neuen Arbeitsrhythmus, bevorzugt in den Abendstunden, sobald der Kleine schläft. So ging es in den letzten Monaten dahin. Tagsüber Papa-Sein und die Zeit mit dem Matz verbringen. Spielen, wickeln, spazieren, einkaufen gehen – was man halt so macht den ganzen Tag. Ganz nebenbei haben wir eine wundervolle Vater-Sohn-Bindung aufgebaut.  Am Abend dann lernen bzw. arbeiten.

 

Der nächste große Tag rückt langsam näher – The End Is Near

So vergingen die Wochen immer schneller und langsam aber sicher rückte das Ende meiner Zeit als Karenzpapa näher. Aus dem Lernen am Abend wurden die Planung für meine Firma und erste Texterarbeiten auf diversen Portalen. Der Blog kam Anfang August natürlich auch noch dazu und ist seither aus meinem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken. Und weißt du, was das Beste daran ist? Es macht mir unglaublich viel Spaß! Stundenlang am eigenen zukünftigen Unternehmen zu basteln und Arbeit zu erledigen, die man richtig gern macht, ist ein unglaublich schönes Gefühl. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ich das alles tue, um auch über den 23.11. hinaus bei meiner Familie sein zu können. Das ist mein großes WARUM hinter dem Ganzen. Darum „tue ich mir das an“, darum gehe ich das durchaus große Risiko ein.

Schließlich war er da, der letzte Tag meiner Karenz. Doch im Grunde bekam er gar keine so große Aufmerksamkeit. Viel bedeutsamer war der nächste Tag, der 24.11.2017. Der erste Geburtstag unseres Sohnes und der erste Tag meiner Selbstständigkeit. Wochen- und monatelang habe ich auf diesen Tag hingearbeitet. Da war dieser Anfang natürlich wesentlich wichtiger, als irgendein Ende.

 

Papa bleibt zu Hause – selbst und ständig

So groß die Aufregung um diesen besonderen Tag war, so gering war die spürbare Veränderung. Im Grunde hat sich am alltäglichen Leben nicht viel geändert. Ich bin und bleibe daheim bei meinen Liebsten. Das war ich davor ja auch schon. Gearbeitet oder gelernt habe ich davor auch schon so ziemlich jeden Abend. Was wegfällt, ist der sichere Hafen der Väterkarenz. Finanziell waren wir da völlig automatisch versorgt. Jetzt müssen wir darum jeden Tag kämpfen. Jetzt sind wir auf uns allein gestellt. Das fühlt sich für mich ein bisschen an, wie in diesen großen Weltraum-Filmen, wo die Rakete startet und dann im All die Hilfsraketen und sonstiges Gedöns abgeworfen werden. Der helfende Antrieb ist weg, jetzt muss meine Businessrakete selber zurechtkommen.

Oder anderer Vergleich: es erinnert mich auch irgendwie an das Heimkehren nach der Geburt. Im Krankenhaus konnte man noch jederzeit eine Schwester rufen, wenn man nicht mehr weiterwusste. Zu Hause muss man plötzlich selber klarkommen. Und man tut es in der Regel auch. So werden wir auch mit der neuen Situation klarkommen. Selbst wenn wir jetzt noch nicht bis ins kleinste Detail wissen können, wie es sein wird. Dennoch freu ich mich unheimlich darauf und bin schon extrem gespannt, wie sich das alles entwickeln wird.

 

Würde ich es wieder tun? UNBEDINGT!

Jetzt sitzen (außer du stehst gerade beim Lesen) wir also da. Meine Zeit als Karenzpapa ist schon ein paar Tage zu Ende. Ich bin selbständig als freier Texter dabei, meine Firma jeden Tag etwas mehr aufzubauen. Kunden finden, Homepage basteln, arbeiten, meine erste eigene Rechnung schreiben. Tagsüber ist alles beim Alten. Wir verbringen den Tag mit unserem Sohn und ich bin verdammt froh, dass es für mich schon so normal ist, jeden – und zwar wirklich jeden – Tag mit meinem Sohn verbringen zu können.

Mami muss mir nicht am Abend nach der Arbeit erzählen, was alles los war. Was er alles gelernt hat. Was er plötzlich so viel besser, als noch am Tag zuvor kann. Sie muss mich auch nicht über Whatsapp am Laufenden halten. Ich war und bin selber dabei – Tag für Tag. Diese enge Bindung wäre niemals möglich gewesen, ohne der Väterkarenz. Diese unpackbar vielen, schönen Momente. Ich will gar nicht wissen, was ich alles verpasst hätte. Die Frage, ob ich es wieder tun würde, stellt sich für dich hoffentlich nicht mehr. 😉 Und wenn doch: JA! UNBEDINGT! Es war die mit Abstand beste Entscheidung meines Lebens.

 

Unglaublich dankbar

Für alle diese Erfahrungen bin ich so unglaublich dankbar.

Dafür, dass Lilly überhaupt erst die Idee hatte und mich sehr schnell überzeugt hat.

Dass ich die Möglichkeit tatsächlich nutzen konnte.

Für die vielen Momente mit dem Kleinen. Die lustigen, die fröhlichen, aber auch die schweren, traurigen und schmerzhaften Momente. Wenn ich nicht selber dabei sein hätte können, wäre es bestimmt noch viel schlimmer gewesen für mich. So konnte ich bei ihm sein und wir konnten alle drei gemeinsam auch die schwierigeren Momente durchstehen.

Zu guter Letzt bin ich dafür dankbar, dass ich beginnen konnte, den Weg in so ein schönes, von Grund auf verändertes Leben, zu gehen.

Ein Weg, der sich ständig verändert und dennoch so gut wie immer weiter nach vorn und bergauf verläuft. Dieser Weg hat mir diesen Papablog gebracht und damit auch viele neue Menschen, die meine Interessen teilen, von denen ich viel lernen kann, die mich täglich inspirieren und denen ich hoffentlich auch etwas zurückgeben kann. DANKE!

 


Aus gegebenen Anlass habe ich meine Über-Mich-Seite ebenfalls etwas angepasst.

Hast du vielleicht auch Erfahrungen als Karenzpapa? Oder du überlegst, in Karenz zu gehen? Dann würde ich mich freuen, wenn du deine Erfahrungen und Gedanken mit uns in einem Kommentar teilen würdest!

Published in Väterkarenz Was Papa sonst zu sagen hat

2 Comments

  1. Oh ja, Väterkarenz sollte einfach normal werden, die Bindung, die man während dieser Zeit aufbaut ist so unfassbar wichtig!
    Viel Erfolg dir bei deiner Selbstständigkeit und willkommen im Club! 😉 #selbstandständig

    • Definitiv! Diese Bindung wäre ohne Väterkarenz sicher nicht möglich gewesen.
      Vielen Dank! Dir auch (weiterhin)! 🙂

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