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Beikost einführen mit Baby-led Weaning: (k)ein Löffel für den Papa

Irgendwann reicht auch die beste Muttermilch nicht mehr aus. Feste Nahrung muss her! Das passiert natürlich nicht von heute auf morgen. Wir haben uns zum Beikost Einführen für BLW entschieden. Wenn du wissen willst, was das bedeutet, was das überhaupt ist und warum es so toll ist, dann bist du hier richtig! Komm mit!

Nach dem ersten und definitiv nicht letzten Still-Beitrag vorige Woche gehen wir heute bei der Ernährung einen Schritt weiter. Irgendwann beginnt langsam der Abschied von der reinen Ernährung durch Muttermilch oder diverse Ersatzprodukte. Die Zeit der Beikost beginnt. In unserer Gesellschaft ist das Füttern mit Brei schon lange der wenig bis gar nicht hinterfragte Klassiker. Meistens bekommt das Baby vor oder nach allen anderen irgendeine Menge an Brei mit dem Löffel gefüttert. Mal läuft es lustiger, mal frustrierender ab.

Wie sind wir darauf gekommen?

Gemäß der „Über mich Seite“ sind wir ja keine militanten „Ökofuzzis“, aber wir bevorzugen oft einen natürlicheren Zugang. Gerade da ist es wichtig den Mainstream des Öfteren zu hinterfragen. Daher unsere Frage: „Warum soll unser Sohn das Essen nicht auf natürliche Weise lernen?“. Natürlich gibt es für uns auf diese Frage keine positive Antwort, sondern direkt eine Lösung: BLW – Baby-led Weaning.

Ich sag dir gleich, auch ich hatte vorher noch keine Ahnung, worum es geht. Hatte davon noch nicht einmal gehört. Und ja, im ersten Moment, als Lilly das Thema auf den Tisch brachte, war ich eher skeptisch und hatte – naja sagen wir mal – milde Bedenken. Umso erschreckender, dass es sich um die natürlichste und eigentlich logische Form handelt, sich fester Nahrung anzunähern. Und dann kenn ich das nicht einmal. Schon bedenklich, wie ich finde. Leider geht es wohl nicht nur mir so, daher bin ich umso motivierter, hier Aufklärung zu betreiben. In diesem Sinne: Challenge accepted!

Was ist Baby-led Weaning alias BLW?

Mit ein wenig Englisch-Affinität lässt sich Baby-led Weaning recht einfach übersetzen. Baby-led – also vom Baby geleitet. „Weaning“ kann man am besten mit dem Begriff „Entwöhnung“ übersetzen. Wir reden also von der

Gemüse BLW
BLW-Gemüse-Menü für den kleinen Gourmet

Baby-geleiteten Entwöhnung. Im Grunde geht es schlicht und ergreifend um die Umstellung von der reinen Ernährung mit (Mutter)milch, hin zu fester Nahrung.

Die Umstellung erfolgt ohne Umwege direkt auf richtiges Essen. Das Baby beginnt gleich mit den Lebensmitteln und Speisen, so wie sie sind und nicht in pürierter Form. Im Idealfall kann es ganz einfach das gleiche essen wie die Eltern. Nachahmungstrieb ahoi! Ganz zu Beginn reichen auch ein paar Gemüse-Sticks. Unser Zwerg liebt Gurken-Sticks und -Scheiben über alles!

Zum Einstieg muss man nur ein paar Dinge beachten, die das Baby noch nicht bekommen sollte. Wenig überraschend: Zucker. Salz sollte man auch noch so lange wie möglich vermeiden, da der kleine Körper damit noch nicht umgehen kann. Schadet ja ohnehin nicht, wenn der Salz-Konsum von Anfang an auf einem moderaten Level bleibt. Auf die Do’s & Don’ts bei BLW werde ich aber in Zukunft näher eingehen.

Geschichte der Baby-Ernährung – die Kurzfassung

Historisch hat sich rund um die Ernährung von Babys so einiges getan. BLW hat man schon immer angewendet. Nur irgendwann glaubte die Wissenschaft alles noch mehr optimieren zu müssen. So entstanden in den letzten Jahrzehnten ständig neue Ernährungspläne und Vorgaben. Bisherige sicher geglaubte Angaben wurden verworfen. Neue Regeln von neuen Experten aufgestellt. Immer und immer wieder. In unseren Breitengraden blieb dann das Brei-Füttern mit dem Löffel als Standard zur Beikost-Einführung. Auch hier kursierten immer wieder neue Erkenntnisse, wann denn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wie das vonstattengehen sollte und so weiter.

Nach dieser Entwicklung steht man jetzt schon irgendwie als Exot da, wenn man auf natürlichem Weg Beikost einführen möchte. Dabei ist, wie vorhin schon erwähnt, BLW absolut nichts Neues. Es ist kein Trend aus irgendeiner amerikanischen Elternzeitschrift, kein künstlicher Hype und auch keine Erfindung von irgendeinem Ernährungs-Guru. BLW wurde immer schon betrieben und ist auch in vielen Völkern außerhalb unseres westlichen Horizonts immer noch der völlig normale Zugang. Das Kind hat einfach nur einen Namen bekommen.

Babys lernen alles spielerisch – warum nicht auch das Essen? 

Er weiß genau, was zu tun ist, kann es halt noch nicht. Aber er wird!

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber mich fasziniert es jeden Tag aufs Neue, wie unglaublich schnell unser kleiner Mann dazulernt. Und das zum größten Teil völlig ohne unserer Hilfe. Er weiß genau, was zu tun ist, kann es halt noch nicht. Aber er wird! Das merkt man wunderbar bei so vielen verschiedenen Entwicklungsschritten. Die ersten gezielten Blicke und Bewegungen. Wie aus ersten kläglichen Versuchen eine tatsächliche Mobilität entsteht, bis er eines Tages das Gehen lernen wird. (Stand 24.08.2017: wenn er so weitermacht, wird es nicht mehr lange dauern! Aber hey, no pressure, Kleiner!)

Warum um alles in der Welt sollte das gerade beim Essen anders sein? Auch hier wird das Baby von selbst beginnen, es sich anzueignen. Und zwar genau so spielerisch, wie alles andere. Einfach durch seinen eigenen inneren Antrieb und den natürlichen Nachahmungstrieb. Es wird nicht mit dem Gedanken „ich will jetzt gehen lernen“, versuchen aufzustehen. Und so beginnt es auch beim Essen nicht mit dem Ziel, etwas gegen seinen Hunger zu tun. Nein, es will einfach nur spielen und alles nachmachen, was die Eltern so tun. Ganz im Gegenteil ist es am Anfang bei BLW sehr wichtig, dass das Baby dabei keinen Hunger hat. Das würde nur zu Frustration führen. Dass Essen die beste Lösung gegen Hunger ist, wird es schon noch früh genug lernen und sein restliches Leben lang hoffentlich auf eine gute Art anwenden können.

Weg mit dem Einheitsbrei – auf zum richtigen Essen

Damit sind wir auch gleich bei einem der wesentlichen Vorteile von BLW. Das Kind lernt von Anfang an völlig selbstständig den Umgang mit Lebensmitteln. Angenommen man beschließt, dass man Beikost einführen will. Wenn das „klassisch“ mit Brei in verschiedenen Sorten und später verschiedenen Konsistenzen über die Bühne gehen soll, wird das selbstständige Lernen nur unnötig verzögert.

Bei BLW untersucht das Baby nach Lust und Laune die Lebensmittel ganz genau. Wie schmeckt es? Wie fühlt es sich an? Wie fest kann ich es anpacken? Solche Fragen wird das kleine Wesen nach und nach ganz von selbst beantworten können. Anfangs wird mit dem Essen wirklich nur gespielt. Irgendwann kommt es auch tatsächlich in den Mund und meistens genauso schnell wieder raus. Bis wirklich was davon im Magen ankommen wird. So tastet sich das Baby heran.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!

Rund um BLW habe ich eine Facette kennengelernt, die mich immer wieder ins Grübeln bringt – die möglichen Auswirkungen auf das spätere Essverhalten. Teilweise bis ins Erwachsenenalter. Natürlich kann es noch viele andere Ursachen haben, warum jemand so isst, wie er isst. Dennoch kann ich mir schon gut vorstellen, dass alleine rund um die Beikost entscheidende Weichen gestellt werden können. Für mich ergeben dadurch einige Dinge durchaus Sinn. Leute, die viel zu schnell essen. Da kann ich mich gleich melden: Schuldig im Sinne der Anklage! Leute, die zu viel essen. Ja, auch schuldig. Oder auch Kinder, die nur ganz wenige bestimmte Speisen essen wollen. Wenn du mal näher drüber nachdenkst, fallen dir sicher ähnliche Beispiele ein.

Schon klar, der Spruch von wegen Hänschen und Hans ist etwas übertrieben. Man kann das Ess-Verhalten auch später noch verändern, aber solche Gewohnheiten sind teilweise schon verdammt hartnäckig. Frag nach bei Lilly und ihren verzweifelten Versuchen, mich dazu zu bringen, langsamer und weniger zu essen.

Aber jetzt zurück zu unserem Baby, bei dem wir Beikost einführen wollen. Wenn es dann schon wirklich zu essen beginnt, weiß es auch selber, wann es genug gegessen hat oder ob es noch Hunger hat. Das kann es beim Füttern mit dem Löffel nur schwer selbst bestimmen. Da entscheiden meistens die Eltern, wann es genug ist oder wie viel noch rein muss. Hier kannst du also schon entscheidend dazu beitragen, dass dein Kind ein gesundes Ess-Verhalten entwickelt. Alleine das macht für mich schon den größten Vorteil von BLW aus. Auch wenn es natürlich eine große, dreckige Schattenseite gibt.

Eine Riesen-Schweinerei – die Spaß macht!

BLW bedeutet so gut wie immer eine Sauerei. Überall. Ja wirklich überall kleben die Essensreste. Am Hochstuhl, am Tisch, auf dem Boden, auf dem Body, auf dem Lätzchen, in Babys Händen, in Babys Gesicht, teilweise in

Gurkenstücke am Boden nach BLW
Die Aufräumarbeiten sind nach dieser Gurkenjause schnell erledigt.

Babys Haaren. Wobei es natürlich auf die jeweilige Speise ankommt. Ein paar Gurken-Sticks können nicht so viel Schaden anrichten, wie eine Schüssel Joghurt mit Banane drin. Im Endeffekt bedeutet das aber auch nur ein paar Minuten Aufräum- und Putzarbeiten. Im Worst Case muss das Baby kurz in die Wanne.

Mir persönlich ist das immer noch lieber, als jedes Mal irgendeinen Brei zubereiten oder kaufen zu müssen. Oder mich mit dem Füttern abzuplagen. Eine Sauerei gibt es ja auch beim Brei-Füttern oft genug. Der Weg zum Chaos bei BLW wird allerdings meistens mit sehr viel Spaß für alle Beteiligten zurückgelegt. Außerdem können alle gleichzeitig essen. Vor allem das macht dem Baby besonders Spaß. Der Zwerg freut sich über seine neuen Entdeckungen und Erkenntnisse, die Eltern freuen sich über die lustige Action und die teils sehr kläglichen Ess-Versuche, die aber immer weniger kläglich werden. Dafür übernehme ich gerne ein bisschen Reinigung zum Schluss.

Ja aber die Verschluckungsgefahr!

Oft schreckt die Verschluckungs- bzw. Erstickungsgefahr Eltern ab. Das Baby weiß ja noch nicht, wie es essen soll und dann stopft es sich irgendwelche Teile in den Mund. Das muss doch gefährlich sein. Ja, kann gefährlich sein. Das Füttern mit dem Löffel aber auch. Wir können unseren Babys definitiv mehr zutrauen, als wir denken! Das Thema werde ich aber in Zukunft noch näher erörtern. Nur, damit es nicht heißt, ich lasse das unter den Tisch fallen. (sehr passende Metapher bei einem BLW-Text, wie ich finde)

Warum macht man sich das Beikost Einführen so schwer?

Teilweise finde ich es wirklich seltsam, wie man in unserer Gesellschaft einfach durch irgendwelche festgelegten Standards vom einfacheren, gesünderen oder auch sichereren Weg abkommt. Wie kann die natürliche und so einfache Art zum Beikost Einführen nur so exotisch wirken? Ich verstehe es wirklich nicht. Hoffentlich kann ich diesem Umstand mit meinen Texten ein bisschen verbessern!

Nach dem Thema Beikost einführen gibts schon Teil 2!  Den zweiten BLW-Text findest du direkt hier! 

Dir hat der Text gefallen? Oder auch nicht? Dir hat darin noch was gefehlt? Lass es mich wissen und schreib‘ es einfach in einen Kommentar unten rein oder nutze die Kontakt-Seite! Teilen in den diversen Netzwerken ist selbstverständlich auch sehr gerne gesehen. ;-) Vielen Dank, bis bald!

Published in BLW

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